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DIE DREI KIRCHEN
UND DIE NEKROPOLE

4. – 12. Jahrhundert

Wo heute die Überreste der Antiche Mura zu sehen sind, befand sich nahe der spätantiken Mansio ein Anbetungsraum, eine vermutlich im 5. Jahrhundert errichtete kleine einschiffige Kirche.

Später wurde ebendort eine zweite, größere Kirche errichtet, eine dreischiffige Basilika mit einem vollständig mosaikbedeckten Fußboden. Die Dekoration ist umso kostbarer, da im Mosaik die Namen derer zu lesen sind, die damals das bedeutsame Werk finanziert hatten. Die bei den Ausgrabungen im letzten Jahrhundert geborgenen Fragmente sind heute noch in einem Ausstellungssaal in Jesolo zu bewundern.

Jüngste Ausgrabungen hingegen brachten einen ausgedehnten Friedhof ans Licht, in dem die Bewohner, die die frühmittelalterliche Basilika (6. – 7. Jahrhundert) besuchten, unweit des Sakralbaus eine würdige Grabstätte fanden. Erst einige Jahrhunderte später, zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert, wurde eine dritte Kirche gebaut, nämlich die Santa Maria Assunta geweihte große romanische Kathedrale, deren beeindruckende Ruinen noch heute zu sehen sind. Dieses wichtige Denkmal erinnert noch heute an die Pracht der Diözese Equilo, die bis ins 15. Jahrhundert Bischofssitz war. Tatsächlich ist die Kathedrale Santa Maria Assunta mit ihrem mächtigen Campanile nach San Marco eine der größten mittelalterlichen Kathedralen der Region „Venezie“.

Neben der Basilika aus dem 6. – 7. Jahrhundert befindet sich eine von 2013 bis 2016 teilweise durch Ausgrabungsforschung erkundete große Friedhofsfläche.
Die Archäologen haben 63 sich nicht überlappende oder überschneidende, weit auseinanderliegende Gräber gefunden. Dies deutet darauf hin, dass die dem Friedhof gewidmete Fläche groß und vermutlich jedes Grab erkennbar war. Es ist nicht bekannt, ob einfach nur die Erdhaufen über den Gräbern sichtbar waren oder ob es echte Grabmarkierungen gab, da die landwirtschaftliche Arbeit der letzten Jahrzehnte die Oberflächenschichten des Friedhofs gestört hat.
Bei den Gräbern handelt es sich beinahe immer nur um einfache Gruben in nackter Erde, die, wie im Christentum auch für Kirchen üblich, geostet sind. Die Bestatteten gehören beiden Geschlechtern und fast allen Altersgruppen an, mit deutlich mehr jungen Menschen und Neugeborenen. Letztere wurden nach einem damals weit verbreiteten Brauch oft in großen Transportamphoren bestattet.
Es wurden keine Spuren gefunden, die auf das Vorhandensein von Holzsärgen oder Kleidungsstücken hindeuten, auch nicht von leicht zu erhaltenden, wie Gürtelschnallen und Metallhaken, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Verstorbenen bekleidet oder in ein Leichentuch gewickelt begraben wurden. Ein Objekt wurde jedoch wiederholt gefunden, nämlich der Beinkamm mit doppelter Zahnreihe, ein Artefakt, das auf frühmittelalterlichen Friedhöfen sehr häufig anzutreffen ist und das auch in Equilo als begleitendes Element hervorsticht.
Die Bergung, das Studium und die Analyse der Skelettüberreste ermöglichen das Erfassen einer Vielzahl von Informationen, die nicht nur über Geschlecht und Sterbealter, sondern auch über Ernährung, Lebensbedingungen, Gesundheit und körperliche Aktivitäten der Bewohner Equilos in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters Aufschluss geben.